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| Berlin by the wall,Nov.9,1989 |
Mr.Zellermeier at Brandenburg Gate June 16.1999 |
Ein Mann für gewisse Stunden
Wie Heinz Zellermayer in Berlin die Sperrstunde kippte
In D-Land und seiner Hauptstadt jagt ein rundes Jubiläum jagt das andere: Gründung der Bundesrepublik, Ende der Berlin-Blockade, Währungsreform. Alles Ereignisse, die obschon wichtig,wichtig, irgendwie überholt sind. Die DM ist abgeschaft und für den Berliner ist die BRD auch nicht mehr das was sie mal war.
Am 20.Juni jährt sich zum 50 sten Mal ein Ereignis, das die Stadt in einzigartiger Weise verändert hat , und den überlebenswillen von, damals noch West-Berlin, entscheidend gestärkt hat; ein Jubiläum einer berliner Besonderheit, ein Abfallprodukt des Kalten Krieges,das auf Besucher des In und Auslands bis heute wirkt wie der Speck auf die Mäuse.
KEINE SPERRSTUNDE! PARTY RUND UM DIE UHR!
Diese Super-Attraktion hat einen Vater. Dieser Mann lebt unter uns. Er lebt in Berlin.
Es ist seiner persönlichen Initiative zu verdanken, dass ein Ostberliner, der z.B. 1965 morgens um halber sechse durch die Spree geschwommen ist, also rüber gemacht hat, nicht hilflos und nass auf der Strasse herum irren musste, sondern immer eine offene Kneipe fand, wo er herzlich empfangen wurde.
Wo trafen sich unsere 68ger Altvorderen spät nachts, nach der auf dem Ku-damm geschlagenen Schlacht gegen US-Imperialismus und Bullenschweine? In der Kneipe bis halb5.
Was machen wir nach der Love Parade am Nachmittag? Wir raven durch bis Dienstag früh.
Ob New York,Bankok, Eckernförde, ohne teure Ausnahmegenehmigung ist überall sonst auf der welt spätestens um 2 Uhr Schicht.
Hier in Berlin, hier, in der Stadt die niemals ist und immer wird, undankbare Stadt, alte Hure,hässlich am Tag, verführerisch bei Nacht, der langen Nacht, die am Morgen eine neue Welt gebiert, hier ist sie zu Hause die Phantasie das Unmögliche zu tun, das nie dagewesene, das wo-kämen-wir-da-hin-wenn-das-jeder-machte.
Von solchem Geist war Heinz Zellermayer im Sommer 1949 beseelt frisch gebackener
Obermeister der Gaststätten-Innung für die West-Sektoren Berlins, einer Stadt in Trümmern, aber mit frischem Geld. Er tat das Unmögliche, packte den Stier bei den Hörnern, und am Abend des 20.Juni 1949 war die Sperrstunde in Berlin gekippt. Seit dem wird in dieser Satdt durchgefeiert. Alle scheinen den Initiator dieser für Berlin wichtigen Grosstat vergessen zu haben. Alle? Nicht Alle! Wir nicht! Aber wo bleibt ein Dankeschön von den Berliner Kneipenwirten, von denen, die Ihre Goldminen in Mitte betreiben, der Hotellerie, dem Senat, und eigentlich von allen Berlinern. Diese Stadt ist eine scheissstadt, geliebte scheissstadt, die unseren Kleinstadtmief verdampft dem wir entsprungen sind. Berlin das Dorf. Du Scheissdorf. Kopfschmerzdorf, immer wie durch die Hecke gezogen aufwachen und das jahre lang. Irgendwan ist Schluss
1949
Das Hotel- und Gaststättengewerbe lag darnieder wie fast alles andere
auch. Ein paar Hundert Gaststätten und einige Hotels hatten zwar die
Bombardierungen überstanden, aber sie befanden sich in dem gleichen
bejammernswerten Zustand wie die Menschen, die wieder etwas Ablenkung
suchten ", erzählt mir Heinz Zellermayer im Garten seines Hauses am
Roseneck, im Westen von Berlin. " Von über zwanzigtausend Hotelbetten
waren gerade noch ca. tausend übrig geblieben. Und in den Kneipen gab es
zunächst einmal nur Alcolat statt Schnaps, und Bier hatten zunächst nur
die Aliierten.
Die Russen hatten sie eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.
Um 21 Uhr mussten die Kneipen dichtmachen und eine Stunde später durfte keiner mehr auf derStrasse sein.
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