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Die nachrückenden Alliierten schlossen sich dieser
Regelung an. Da war es natürlich unmöglich die
Menschen zum Ausgehen zu ermuntern", erzählt Heinz Zellermayer.
Er selbst hatte die Gastronomie "von der Pieke auf gelernt", erst
Abitur und dann Hotelfachschule.
Nach dem Krieg übernahm er das elterliche Hotel am Steinplatz .
" Dann kam Bewegung ins Nachtleben als die Russen in ihrem Sektor die
Sperrstundeeinseitig auf 22 Uhr verlängerten.
Die West-Kommandanten zogen für ihre
Sektoren nach, dass die Schluckspechte nicht in den Ostteil der Stadt abwanderten, und dort mit russischem Vodka indoktriniert werden. Daraufhin verlängerten die Russen wieder um eine Stunde und so ging es weiter bis man wieder bei 24 Uhr gelandet war.
Dann kam die Berlin-Blockade durch die Sowjets."
Heinz Zellermayer musste immer wieder zu dem neuen Polizeipräsidenten der West-Sektoren, Dr. Johannes Stumm, gehen und um Ausnahmegenehmigungen für die Gastwirte ersuchen.
"Die Leute wollten doch ausgehen, raus aus der Misere. Und irgendwas zu
bezahlen hatten sie ja", sagt Heinz Zellermayer. Mit dem Ende der
Berlin-Blockade hatte er die Idee, einmal vorsichtig nach der gänzlichen Aufhebung der
Sperrstunde zu fragen. " Na, da hätten Sie den Dr. Stumm mal sehen
sollen, der hat mich angeguckt als ob ich wahnsinnig geworden wäre ",
sagt Heinz Zellermayer, Sowas gibts doch in der ganzen Welt nicht!
Es lag auch gar nicht in Dr. Stumms Händen, eine solche Regelung zuzulassen. Nur der jeweilige Alliierte-Stadtkommandant konnte so etwas verfügen, wenn überhaupt. Also ging Heinz Zellermayer zunächst zu dem französischen General Ganeval, der ihn aber gleich auf
die Briten und die Amerikaner verwies, denn ohne deren Zustimmung ginge
in Berlin überhaupt nichts.
Der britische General Bourne bot Heinz Zellermayer nicht
mal einen Stuhl an
Was sollte man auch von einem Puritaner erwarten, in dessen Land es schon tagsüber
schwierig ist einen Drink zu bekommen.
Blieb nur noch der amerikanische Stadtkommandant Frank L. Howley, bekannt aus der
Blockade Zeit als entschlossen Haudegen un Schluckspecht .
Doch Howley erinnerte Heinz Zellermayer zunächst daran:
" Keine Polizeistunde, keine Sicherheit, Okay?"
Aber Heinz Zellermayer liess nicht locker und fragte den General , ob er denn
schon mal in einer deutschen Kneipe gewesen wäre. Das löste bei dem Kämpfer heiterkeit aus, und Zellermayer setzte nach.
Die Probleme fangen
doch erst an, wenn die Gäste nichts mehr zu trinken bekommen und der Wirt
die Zecher auf die Strasse schicken muss. Der General schien sich an was zu erinnern. You have a point, Zellermayer.
Howley war bereit bei der nächsten Alliierten Kontollratssitzung die Aufhebung der
Sperrstunde auf die Tagesordnung zu setzen. Gemeinsam mit den Franzosen
überstimmten die Amerikaner die Briten und Howley rief Heinz Zellermayer
an.
‹Für die nächsten zwei Wochen sei die Sperrstunde
abgeschafft. Zur Probe.
Noch am gleichen Abend informierte Heinz Zellermayer
persönlich seine Kneipenwirte: "Ab heute Nacht wird
durchgefeiert in Berlin!" So wurde ein weltweit einmaliges Experiment gestartet,das bis heute anhält. Am 20. Juni 1949 wurde Berlin, ÒPer Order di Mufti‹ wie Heinz
Zellermayer mir lachend erzählt, zur offenen Stadt. Erst einige Wochen
später fasste die Stadtverordnetenversammlung einen formalen Beschluss,
der die Macht des Faktischen anerkannte. So wurde Berlin zur einzigen
Stadt der Welt ohne Sperrstunde. Dadurch entstand eine Freizeitkultur,
die es Menschen erlaubte die Nacht zum Tage zu machen und junge Menschen
nach West-Berlin lockte. Die vielfältigen Einflüsse dieser Entscheidung
auf das Wirken und Werden der Bewohner Berlins sind in Ihrer Vielfalt nicht aufzuzählen,
aber dass die Berliner mit dieser Regelung immer noch gut zurechtfinden steht
ausser Zweifel.
Nach der Wiedervereinigung musste auch Berlin laut Bundesgesetz eine
offizielle Sperrstunde einführen, zwischen fünf und sechs Uhr früh, dass dieses Gesetz auch durchgesetzt wird ist nicht bekannt.
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